Gesunde Ernährung – kranke Zähne?

Zahnersosion – was ist das genau?

Zu einem erhöhten Gesund­heitsbewusstsein gehört eine gesunde Ernährung. Wer kennt nicht die Empfehlung, fünf Mal am Tag etwas Gesundes mit vielen Vitaminen und mit möglichst wenigen Kalorien zu essen. Gemeint sind dann Lebensmittel wie Früchte, Gemüse, Salate oder Fruchtsäfte.

Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch: Es liegt mir fern, Ihnen diese Ernährungsweise auszureden. Ich möchte nur aufzeigen, dass auch gesunde Lebensmittel ihre ­unerwünschten Nebenwirkungen haben.

Die genannten Lebensmittel sind ja – abgesehen von künstlich gesüßten Fruchtsäften – nicht gerade dafür bekannt, dass sie viel Karies in den Zähnen verursachen. Unter Karies versteht man Löcher in den Zähnen, welche durch Bakterien verursacht werden, die sich vom Zucker in der Nahrung ernähren. Die befallenen Stellen müssen dann meist vom Zahnarzt mit einer Füllung repariert werden. Wir sprechen in diesem Artikel  aber nicht über Karies, sondern über Zahnerosionen. Doch was ist das genau?

Die Zahnsubstanz

Die Zähne bestehen mit dem Zahnschmelz aus der härtesten Substanz des Körpers, sie übertreffen damit sogar die Knochen. Doch sie haben auch einen Schwachpunkt: ihre Anfälligkeit gegenüber Säuren. Zähne lösen sich in Flüssigkeiten langsam auf, wenn der Säuregehalt einen bestimmten Wert überschreitet. Genau das stellt beim häufigen Konsum von sauren Lebensmitteln ein Problem dar. Die Zähne werden von den in der Nahrung enthaltenen Säuren direkt beschädigt. Da hier im Gegensatz zur Karies keine Bakterien beteiligt sind, sprechen wir von Zahnerosionen.

Ursachen für Zahnerosionen

Viele Lebensmittel können Zahnerosionen verursachen. Die folgende Aufzählung enthält nur eine Übersicht. Neben den meis­ten Früchten können auch gewisse Gemüse wie Sauerkraut oder Rhabarber Erosionen verursa­chen. Beim Salat muss man auf den Essig in der Salatsauce acht­ geben. Sehr schädlich für die Zähne sind Fruchtsäfte, Sport­drinks, Energydrinks und Softdrinks wie z. B. Cola, Sprite und Eistee. Sie sind nicht nur sehr sauer (Coca Cola hat einen pH­ Wert von 2,8!), sondern enthalten auch Zucker im Übermaß, was zusätzlich den Kariesbefall begünstigt. Oft unterschätzt wer­ den auch Snacks wie z. B. saure Gummibärchen und saure Bon­bons. Demgegenüber sind vie­le Milchprodukte wie Milch, Käse und die meisten Joghurts nicht erosiv, weil sie viel Kalzium und Phosphat enthalten, welche die Grundsubstanz des Zahnschmel­zes bilden. Sie können sogar die «schädliche» Wirkung von Früchten abmildern, wenn man sie zusammen isst. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass gesüßte Milchprodukte Zucker enthalten. Ein Nachspülen mit Milch schützt ebenfalls. Das gilt allerdings nicht für Sauermilch oder Fruchtjoghurts mit sehr sau­rem Aroma (z. B. Zitrone).

Schutz vor Erosion

Einen äußerst wichti­gen Schutz bietet Fluor, denn es macht die Zähne säureresis­tenter. Fluor ist in den meisten Zahnpasten, Zahnspülungen und Kariesschutzgelées enthalten, und bietet damit bei regelmäßigem Zähneputzen ausreichend Schutz. Wenn man allerdings di­rekt nach dem Essen oder Trinken von sauren Lebensmitteln  fluor­haltige Zahnspülungen durch­ führt, werden zwar die Zähne ge­schützt, geschmacklich ist dies allerdings dann alles andere als ein Highlight.

Ein natürlicher Verteidi­gungsmechanismus des Körpers gegen Zahnerosion ist der Spei­chel. Er neutralisiert die einge­nommenen Säuren im Mund und baut den angegriffenen Zahn­schmelz wieder auf. Da dieser Prozess jedoch eine gewisse Zeit dauert, sollte man (außer bei ho­hem Kariesrisiko) mit dem Zäh­neputzen sofort nach dem Ge­nuss säurehaltiger Substanzen etwa 45 Minuten zuwarten. Der Vermeidung von Karies wird aber eine höhere Priorität eingeräumt, als der Vermeidung von Erosio­nen. Das Kauen von zuckerlo­sem Kaugummi hilft da entscheidend mit, diese Neutralisation zu beschleunigen. Wenn der Spei­chelfluss vermindert ist, werden die Zähne deutlich anfälliger auf Erosionen. Dies ist dann der Fall, wenn wir starken Durst haben, bei körperlicher Anstrengung, in der Nacht, aus medizinischen Gründen, wegen Drogen und im Alter. Sportdrinks, die viel Zucker enthalten und meist einen eher sauren Geschmack haben sind ein Desaster für die Zähne, wenn sie während dem sportlichen Einsatz eingenommen werden.

Neben Nahrungsmitteln gelten auch nächtliches saures Aufstoßen und häufiges Erbre­chen als Risikofaktoren für Ero­sionen.

Zahnerosionen kommen beispielsweise in der Schweiz ziemlich häufig vor. In einer Stu­die fand man bei 50­Jährigen bei über 40 % der untersuchten Personen mindestens eine tiefe­re Erosion und nur bei 2 % nicht einmal eine kleine.

Die meisten Erosionen sind zum Glück symptomlos und schreiten nur äußerst langsam voran. Nur bei sehr tiefen Defek­ten kann es zu Überempfindlich­keiten auf Reize wie Säure, Kälte, Wärme oder beim Kauen kom­men. Für diese Überempfind­lichkeiten gibt es allerdings auch andere Ursachen wie z. B. Zahn­halsüberempfindlichkeiten. Der Zahnarzt kann die betroffenen Stellen wenn nötig reparieren, indem er sie abdeckt.

Vorsorge ist natürlich immer besser, auch wenn sich Erosionen nie ganz verhindern lassen. Man kann hier nur reparieren, nicht heilen. Prinzipiell ist eine gesun­de Ernährung allerdings wichtiger, als die Vermeidung von Ero­sionen. Aber man kann vorsichtig sein und seine Zähne schützen. Ein zu einseitiger Speiseplan ist zudem aus verschiedenen Grün­ den zu vermeiden, nicht nur wegen den Zähnen.

 

Dr. med. dent. Roger Walker

Zahnarzt,

Schattdorf (UR), CH

 

Erosionen an einem unteren Backenzahn

Ernährungsbedingte Risikofaktoren für Zahnerosionen
• Früchte
• Fruchtsäfte
• Softdrinks !!
• Sport- und Energydrinks
• Essig (Salatsauce)

Ernährungsbedingten Zahnerosionen vorbeugen
• Fluor (Zahnpasta, Spülungen und Kariesschutzgelées)
• Zuckerlose Kaugummis (Speichelanregung)
• Mund mit Wasser, Milch oder Zahnspülung neutralisieren
• Milch/Milchprodukte (säureausgleichend)
• Verzicht auf säurehaltige Getränke während körperlicher Anstrengung und Sport
• 45 Minuten zuwarten mit Zähneputzen

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